Logo BBL BlickLabor
Der wissenschaftliche Blick hinter die Lernprobleme

Sie sind hier: StartGrundlageHirnfunktionen → Sinnesverarbeitung

Bedeutung der Sinnesverarbeitung im Gehirn

Schema zeigt Aufbau: Sinnesorgane (Medizin),
 Sinnesverarbeitung (BlickLabor), Schulische Fertigkeiten, Bildung

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass der größte Teil des Seh- und Hörprozesses nicht im Auge bzw. Ohr stattfindet, sondern im Gehirn.

Was wir hören und sehen ist nicht das, was die Ohren und Augen in diesem Moment aufnehmen, sondern ein von unserem Gehirn erschaffenes Bild unserer Umwelt. Das Gehirn setzt dieses Bild zusammen aus Sinneseindrücken, die überwiegend aus dem Gedächtnis stammen.

Wir haben zum Beispiel den Eindruck, als könnten wir alles sehen, was in unserem Gesichtsfeld liegt, also diejenige Hälfte der Welt, die vor uns ist. In Wahrheit sehen wir nur einen winzigen Ausschnitt davon scharf, dessen Größe etwa dem Daumennagel am ausgestreckten Arm entspricht. Alles andere 'sehen' wir nur, weil wir wissen, wie es aussieht, und weil wir bei Bedarf im Bruchteil einer Sekunde unsere Augen hinbewegen. Wir machen drei bis fünf Blicksprünge pro Sekunde, meist ohne sie bewusst wahrzunehmen.

Entsprechendes gilt auch für das Hören: Wenn wir zwei Geräusche aus der selben Richtung gleichzeitig hören, die wir noch nie zuvor einzeln gehört haben, können wir sie nicht als zwei unterschiedliche Geräusche identifizieren. Im Alltag gelingt uns das problemlos, weil wir wissen, wie Autos, Musik, Sprache usw. klingen, und unser Gehirn das eintreffende Durcheinander von Geräuschen mit bekannten Geräusch-Typen vergleicht, und in diese einzelnen Elemente zerlegt. Diese gelangen dann getrennt in die bewusste Wahrnehmung, nicht als das Durcheinander, wie sie am Ohr eintreffen.

Die Nervensignale von den Sinnesorganen müssen im Gehirn viele hochkomplexe Verarbeitungsschritte durchlaufen, bevor daraus bewusste Sinneseindrücke entstehen. Rund 40 Prozent der Hirnrinde sind mit der Verarbeitung der Signale der ca. 120 Millionen Sinneszellen pro Auge und mit der Steuerung der Augenbewegungen beschäftigt. Wir bemerken von diesen Prozessen normalerweise nichts, da sie automatisch ablaufen.

Dazu gehören u.a. die präzise Unterscheidung von Lauteigenschaften, genaues dynamisches Sehen, die Simultanerfassung und eine zuverlässige Blicksteuerung. Dies sind alles Leistungen, die nicht von den Sinnesorganen selbst erbracht werden können, sondern nur vom Gehirn.

Lesen Sie Details zur Bedeutung der Sinnesverarbeitung beim

Störungen in einem oder mehreren dieser Verarbeitungsstufen verursachen erschwerte oder verfälschte Wahrnehmung, die das Lesenlernen unmöglich machen kann. Sie sind nur schwer nachweisbar, den Betroffenen nicht bewusst und mit den üblichen Untersuchungen von Augen- oder HNO-Arzt meist nicht erkennbar.

Natürlich sollte man bei Verdacht auf allgemeine Seh- oder Hörprobleme stets mit der Abklärung der Funktion der Sinnesorgane beginnen. Aber wenn hier nichts gefunden wird, beweist das nicht, dass das gesamte System in Ordnung ist. Wir haben Testverfahren entwickelt, mit denen weitere Komponenten überprüft werden können.

Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie, Dyskalkulie, ADS oder allgemeinen Lernproblemen decken in bis zu 80% Entwicklungsrückstände bei diesen Kindern auf. Das gezielte Training mit speziell entwickelten Trainingsgeräten hilft solchen Schülern erwiesenermaßen, ihre Wahrnehmungsfähigkeit und in der Folge ihre Schulleistungen erheblich zu verbessern.

© 2009-2013 BlickLabor, Telefon: (0761) 38 41 95 10, siehe auch Kontakt